Was macht ein KI-Beirat? Acht Fragen, ehrlich beantwortet

KI-Beirat·26. Juni 2026

Was macht ein KI-Beirat? Acht Fragen, ehrlich beantwortet

Seit ich als Beirat bei Familienunternehmen sitze, bekomme ich immer dieselben Fragen. Was machst du da eigentlich? Was kostet das? Wann braucht man so jemanden? Hier sind meine Antworten — kurz, ohne Verkaufsmasche.

5 Min Lesezeit
Zwei Stühle an einem schlichten Holztisch in einem Familienunternehmen, im Hintergrund eine Produktionshalle im Tageslicht
🤖 KI-generiertes Bild

Ich sitze als Beirat bei mehreren Familienunternehmen und Mittelständlern, die mit KI ernst machen wollen. Mitgegründet und als CTO geführt habe ich davor HolidayCheck, heute baue ich KI in eigene Betriebe ein — ein Hotel, ein Trainingsgeschäft, eine Plattform. Wenn ich erzähle, was ich mache, kommt fast immer dieselbe Reihe von Fragen. Manche stellen sie mir direkt am Tisch, andere tippen sie wahrscheinlich nachts in ChatGPT. Ich beantworte sie hier so, wie ich sie am Esstisch beantworten würde.

Was macht ein KI-Beirat eigentlich konkret?

Ein KI-Beirat hilft der Geschäftsführung, bei künstlicher Intelligenz die richtigen Entscheidungen zu treffen, statt selbst Software zu bauen. Konkret heißt das: Ich sortiere, welche Fragen überhaupt auf den Tisch des Inhabers gehören, ich stelle unbequeme Fragen, bevor Geld ausgegeben wird, und ich sage auch mal „lass es“. Ich bin kein Dienstleister, der ein Tool einführt, und kein Redner, der Folien zeigt. Ich sitze auf der Seite des Eigentümers und denke mit.

Was ist der Unterschied zwischen einem KI-Beirat und einem KI-Berater?

Ein Berater liefert ein Projekt und geht wieder, ein Beirat bleibt und trägt mit. Der Berater wird für eine Leistung bezahlt — eine Strategie, eine Einführung, eine Schulung — und sein Interesse ist, dass das Projekt groß wird. Ein Beirat hat kein Projekt zu verkaufen. Mein einziges Interesse ist, dass die Firma die richtige Entscheidung trifft, auch wenn die richtige Entscheidung „nichts tun“ heißt. Diese Unabhängigkeit ist der ganze Wert. Sobald ein Beirat anfängt, sich Folgeaufträge zu sichern, ist er keiner mehr.

Was kostet ein KI-Beirat?

Das ist sehr unterschiedlich und ich nenne bewusst keine Pauschale, weil jede Konstellation anders ist. Üblich sind ein fester Jahres- oder Sitzungsbetrag, manchmal kombiniert mit einer kleinen Beteiligung. Wichtiger als die Zahl ist das Verhältnis: Ein Beirat ist günstig im Vergleich zu der einen falschen sechsstelligen KI-Entscheidung, die er verhindert. Und er ist zu teuer, wenn er nur viermal im Jahr nett zustimmt. Ich rate Inhabern, weniger auf den Tagessatz zu schauen und mehr darauf, ob die Person ihnen widerspricht.

Wann braucht ein Mittelständler einen KI-Beirat?

Dann, wenn KI anfängt, Entscheidungen zu erzwingen, die der Inhaber nicht delegieren kann. Solange es nur um ein Tool im Marketing geht, reicht das Team. Sobald die Fragen ans Eigentum gehen — soll ich langjährige Mitarbeiter umschulen oder ersetzen, gebe ich meine Kundendaten in ein fremdes Modell, was wird aus meinem Geschäft, wenn der Wettbewerber das in achtzehn Monaten kann — wird es einsam an der Spitze. Genau in diese Lücke gehört ein Beirat. Wer noch nicht an diesem Punkt ist, sollte das Geld sparen.

Wer haftet eigentlich, wenn die KI einen teuren Fehler macht?

Der Unternehmer, immer. Das ist einer der wichtigsten Sätze, die ich an einem Tisch sage. Die KI haftet nicht, der Anbieter haftet meist nur sehr begrenzt, und der Beirat berät — entscheiden und geradestehen muss am Ende die Geschäftsführung. Ein guter Beirat macht diese Verantwortung früh sichtbar, statt sie in einem Vertrag verschwinden zu lassen. Meine Aufgabe ist, dass niemand im Unternehmen glaubt, man könne die Verantwortung an ein Modell abgeben. Das kann man nicht.

Muss ein KI-Beirat selbst programmieren können?

Er muss nicht programmieren, aber er muss mit den Werkzeugen wirklich gearbeitet haben. Ich misstraue Beiräten, die KI nur aus Vorträgen und Studien kennen. Wer nicht selbst erlebt hat, wie ein Modell zuverlässig liefert und an der nächsten Stelle selbstbewusst Unsinn behauptet, kann das Risiko nicht einschätzen. Ich baue diese Dinge in meinen eigenen Betrieben, mit eigenem Geld, mit echten Folgen. Diese Narben sind das, was ich an einen Tisch mitbringe — nicht ein Zertifikat.

Wie oft tagt ein KI-Beirat?

Seltener formell, dafür öfter unterm Jahr per kurzer Nachricht. Die vier hübschen Quartalssitzungen mit Tagesordnung sind oft das Problem, nicht die Lösung — da entsteht das, was ich an anderer Stelle Innovationstheater genannt habe. Die nützliche Arbeit passiert dazwischen: ein Anruf, bevor der Inhaber etwas unterschreibt, eine ehrliche Einschätzung, wenn ein Projekt nach drei Monaten keine Zahl liefert. Ein Beirat, den man nur viermal im Jahr sieht, ist meist einer zu viel.

Woran erkenne ich einen schlechten KI-Beirat?

Er redet über Tools statt über Entscheidungen, er stimmt zu oft zu, und er hat ein eigenes Produkt zu verkaufen. Wenn jemand im ersten Gespräch über Modelle, Lizenzen und Anbieter spricht, hat er sich verlaufen — diese Fragen gehören ins Team. Ein guter Beirat fragt stattdessen nach dem Effekt: Wo spart das Stunden, wo bringt das Umsatz, und was räumen wir wieder ab, wenn die Antwort nach drei Monaten ausbleibt? Mehr dazu, warum ich keine Folien zeige, steht in einem eigenen Brief.

Wenn Sie eine dieser Fragen gerade selbst mit sich herumtragen, ist das ein gutes Zeichen. Es heißt meistens, dass die Entscheidung wichtig genug ist, um sie nicht allein zu treffen.

Jens Freiter
// Geschrieben von

Jens Freiter

Mitgründer und Ex-CTO von HolidayCheck. Sitzt heute als Beirat bei Familienunternehmen und Mittelständlern, die KI strategisch einsetzen wollen. Mehr über mich →

  • Beitragsbild zum Werkstattbrief, KI-generiert

    Was KI mit dem Kreieren macht — ein Nachtrag

    2. Juni 2026
  • Zitat-Karte: Bei vielen Aufgaben zählt der Preis mehr als die Herkunft des Modells. Werkstatt-Brief, KI, Jens Freiter

    Warum ich chinesische KI-Modelle inzwischen genauso ernst nehme wie Claude und GPT

    10. Juli 2026